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Freitag, 21. Jan. 2022

Langlauf-Weekend

Pontresina
Hier bald neuster Eintrag.

NEWS

26.11.2021
Philipp

«f O k u s» - Michael Bur

Frage von Daniel Spitzli:
Was war dein Erfolgsrezept, das dich zum ersten Vereinsmeister der heutigen OL Regio Olten gemacht hat?
Das du das ausgegraben hast, Dani, unglaublich… daran habe ich mich schon selber nicht mehr erinnert! Das Erfolgsrezept? Ich würde sagen: Naivität und Unwissenheit. Ich war damals (1990) neu im Klub und kannte den Modus nicht. Ich bin einfach losgelaufen und habe am Schluss den schönen Pokal gewonnen. Ich war wahnsinnig stolz. Es ist bis heute der einzige Pokal geblieben, den ich je gewonnen habe.

Wer bist du, von wo kommst du ursprünglich und was machst du?
Ich bin Balsthal aufgewachsen und lebe mit meiner Familie auch dort. Ich bin im Thal stark verwurzelt, als Projektleiter von SchweizMobil aber auch viel unterwegs. Schliesslich gluschtet es mich immer wieder, hinter den Berg zu schauen, was dort läuft – also in Oensingen, Olten oder Mailand.

Wann hast du mit Orientierungslauf begonnen?
Spät. Ich bin über den Ferienpass in Balsthal zum OL gestossen. Danach bin ich mit Xaver Heutschi von OL zu OL gezogen und habe viel von ihm gelernt. Mein Vater hat Xaver jedes Jahr mit einem „Chüngu“ für seinen Einsatz entlöhnt. Wir waren damals eine Handvoll Mädchen und Buben aus Balsthal, die richtig „angefressen“ vom OL waren. Das hat mega Spass gemacht.

Wie bist du auf die OL Regio Olten aufmerksam geworden?
Ich bin 1990 dazugestossen, als die beiden Vereine OLG Balsthal und OLG Gäu zur OLG Balsthal-Gäu fusioniert haben. Alles war neu: das Logo, das Dress, die Klubnachrichten… Als 13-Jähriger hat es mit den Ärmel voll reingezogen. Den familiären Umgang in der OLG habe ich wahnsinnig geschätzt. Ich habe in der OLG dann Jugendliche aus dem Gäu und aus Olten kennen gelernt. Deshalb habe ich mich als Thaler entschieden, die Kanti in Olten zu machen – statt wie üblich in Solothurn. Ich war dann zusammen mit Thomas Wyss, Christoph Haefeli und Reto Wagner in einer richtigen „OL-Klasse“ und habe vier Jahre lang Vollgas OL gemacht.

Auf welcher Karte hast du zum ersten Mal OL gemacht?
Vor meiner Haustür, auf der Karte „Höngen“. Diese Karte hatte ich früher immer schon im Sportgeschäft „Meister Sport“ betrachtet und mich über die komischen Farben gewundert…

Deine Lieblings OL-Karte?
Ich habe in meiner aktiven OL Zeit (1990–1994) dort so viele OLs gemacht und so viele schöne Erlebnisse gehabt, dass mir der „Gäuer-Ban“ ans Herz gewachsen ist.

Welche anderen Sportarten machst du/hast du ausprobiert?
Ich bin kein ambitionierter Sportler. Im Sommer fahre ich viel Velo. Im Herbst gehe ich als Treiber mit auf die Jagd. Im Winter probiere ich es neuerdings mit Langlaufen. Im Frühling mache ich gerne einen OL und nehme mir jedes Jahr vor, wieder mehr OL zu machen…

Wie verbringst du sonst deine freie Zeit?
Mit Familie und Freunden. Und es ist schon so: hier auf dem Land geben die Vereine und die Dorfanlässe den Takt vor.

Das schönste (OL-)Training?
Ich habe erst diesen Sommer wieder mit OL-Trainings begonnen – nach mehr als 25 Jahren Pause. Ich bewundere das Engagement unserer Trainingsleiter und ihre vielen Ideen. Die Juniors-Trainings sind tolle Erlebnisse und ich gehe jedes Mal ganz happy nach Hause.

Deine beste Leistung im OL?
Zusammen mit Thomas Wyss und Stefan Christ habe ich 1991 an der Staffel-OL-Schweizermeisterschaft SOM auf dem Glaubenberg den 5. Platz bei H-14 erreicht. Darauf bin ich – mangels anderer grosser Erfolge – bis heute stolz. Jetzt hat mir aber Dani meinen Vereinsmeistertitel in Erinnerung gerufen…

Wenn du ein Tier wärst – welches und warum?
Ein Rehbock, weil ich weiss, wie die Jägerinnen und Jäger so ticken… und wie man ihnen ein Schnippchen schlagen kann.

Lieblingsfächer in der Schule (damals)?
Geographie, was ich dann an der Uni auch studiert habe.

Was wissen wir nicht über dich?
Als jugendlicher OL-Läufer hatte ich Angst, alleine in den Wald zu gehen. Meine ersten OLs habe ich immer zu zweit absolviert, auch in den Trainings. In mir ganz unbekannten Gebieten, z.B. in den Trainingslagern im Tessin, war mir nie richtig wohl, wenn ich alleine unterwegs war. So wurde ich zum fleissigen Tramfahrer.

Beschreibe dich in drei Worten?
herzhaft – umtriebig – ungeduldig

Was wolltest du schon lange mal der ganzen Welt sagen?
Traut euch, alleine in den Wald zu gehen. Es ist ungefährlich.

Welchen Rat würdest du einer 15-jährigen Person geben?
Beweise Mut, probiere vieles aus und sei nicht zu anständig! Wenn du dich daneben noch in einem Verein ehrlich und auch mit einer gewissen Konstanz engagierst (z.B. in einem Sportverein) hast du ein gutes Backup. Es entsteht dort eine Bindung und eine Leidenschaft, die dich ein Leben lang trägt.

Weißt du wie man die Waschmaschine bedient?
Ja, ich bin ein Bauchmensch. Bei Staubsauger und Waschmaschine spüre ich, wie das gehen muss. Mühe bereitet mir der Kombi-Steamer.

Beende den Satz: Ich wollte schon immer...
...eine Zeitreise ins Jahr 1790 machen und mir anschauen, wie das Balsthaler Schloss damals ausgesehen hat.

Was wolltest du als Kind später mal werden?
Burgenforscher

Dein Lieblingsplatz in Balsthal?
Die alte Friedhofkirche. Zusammen mit dem umgebenden Park ist das ein wunderschöner Ort. Und OL-freie Zone.

Was sind die Nachteile des Lebens in Balsthal?
Das, was auch die Vorteile sind. Man ist hier nahe bei den Leuten, das Leben spielt sich im Dorf ab, die Menschen sind „Macher“, die soziale Kontrolle ist gross. Gerade als junge Familie und in schwierigen Zeiten ist das ein grosser Vorteil. Manchmal ist diese Nähe aber auch bedrückend, dann empfinden wir die Menschen um uns herum als einfältig und ideenlos. Corona und gewisse politische Strömungen haben es nicht einfacher gemacht. Aber uns ist es auch ein Anliegen, aktiv zu mehr Lebensqualität und Zukunft auf dem Land beitragen zu können. Deshalb wollen wir nicht davon laufen. Und wenn uns wirklich mal der Deckel auf den Kopf fällt, haben wir Kollegen in der Stadt und sonstwo in der Schweiz, mit denen wir uns gerne austauschen und dort auch Inspiration holen.

Was kommt dir spontan zu diesen Wörtern in den Sinn?
Zeit – Uhr
Olten – eine spannende Stadt, mag ich sehr
Grün – Absinthe
Frühling (anpassen) – macht mich gluschtig auf OL
Hitze – Klimawandel, beschäftigt mich sehr stark
Schnee – mag ich sehr, der Schlitten steht bereit
Schöne Landschaft – Jura
Kompass – meinen ersten Kompass hat mir Xaver Heutschi geschenkt. Es war ein Recta. Ich bedaure sehr, dass ich den Kompass nicht mehr habe…

Wen möchtest du als nächstes interviewt haben?
Tobias Haefeli

Was möchtest du schon lange von ihm wissen?
Ich habe dich letzthin zufällig am Berner Team OL getroffen. Wir sind beide erschrocken, da wir eigentlich inkognito bleiben wollten. Wann dürfen wir mit deiner Rückkehr rechnen? Und wie: als verbissener Senior oder als Familiensportler?

Foto: OL-Lager 1992 in Ascona, v.l.n.r Thomas Wyss, Simon, Reto Wagner, Michi Bur, Steff Bielser, Christoph Haefeli, Tobias Haefeli, Thomas Saner jun., Katrin Saner

«f O k u s» - Michael Bur